Mehr Genuss bei der Lust


Die Kraft der weiblichen Sexualität. Ein Interview mit Sexualberaterin Ute Benecke.

Das Thema Lust steht in meinem Blog ganz vorne. Lust auf ein erfülltes Leben, tolles Essen, Humor… aber hey, wo bleibt denn die richtige Lust? Was ist mit dem Thema Sexualität? Hier habe ich eine Expertin mit ins Boot geholt! Ute Benecke motiviert Frauen zu erforschen was sie in ihrer eigenen Sexualität wollen und brauchen, was ihre Bedürfnisse sind, und dazu auch zu stehen. Ein sexy Interview über Tabus, Monogamie, nachlassende Lust und die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper. 

Wie ist es dazu gekommen, dass du dich mit dem Thema Sexualität beschäftigst?

Als ich nach einer langjährigen Beziehung in eine eigene Wohnung zog, poppte das Thema „Sexualität“ einfach auf. Ich fing an Bücher zu lesen, mich selbst mehr und mehr (wieder) zu entdecken und mich mit dem Thema zu beschäftigen. Und eines Tages hörte ich davon, dass es Kurse dazu gab. Das war mein Stichwort. Ich machte den ersten Kurs und buchte dann das ganze Programm durch. Ich wollte wissen, war neugierig, was es sonst noch so gibt, außer dem was ich so kannte. Also nur für mich, ohne beruflichen Hintergrund. Doch dort stellte sich dann schnell raus, dass ich einen besonderen Zugang zur Sexualität habe. Es war wie „heimkommen“ für mich. Und so fing alles an. Unglaublich wenn ich heute darüber nachdenke.

Welche Leistungen bietest du an?

Ich biete Einzelberatungen, ein 3-monatiges Lust-Coaching und Workshops an. Damit begleite ich Frauen in eine erfüllte Sexualität nach ihren eigenen Wünschen und Vorstellungen. Ganz nach dem Motto: Hab die Sexualität die dir gut tut und steht dazu.

Mit welchen Problemen kommen die Menschen am häufigsten zu dir?

Meine Konzentration liegt ja auf Frauen und die häufigsten Themen sind: Ich habe keine Lust, ich kann mich nicht hingeben, Sex ist nicht erfüllend und befriedigend für mich, ich habe sehr viel Lust – bin ich noch normal, ich fühle mich im eigenen Körper nicht wohl, mein Liebesleben ist langweilig …

Gibt es Tabu-Themen, über die immer noch nicht gesprochen wird?

Natürlich. Frei und ohne Hemmung über Sexualität zu reden, darüber was man gerne hat, was die eigenen Bedürfnisse sind, das ist in der Tat für viele immer noch ein Tabu. Auch mit der Freundin oder dem eigenen Partner darüber zu reden, ist gar nicht so normal wie es sein sollte/könnte. Die meiste Rückmeldung die ich bekomme ist: „So toll, dass endlich mal jemand offen und frei darüber schreibt und redet“. Das sagt viel aus. Und das in einer Gesellschaft, wo Sex irgendwie überall präsent und verfügbar ist. Das finde ich schon grotesk.

Tabu ist auch oft alles was mit „anal“ zu tun hat, obwohl das ein hoch erotischer und empfindsamer, ja auch sehr lustvoller Bereich ist.

Schwierigkeiten in der Sexualität oder wenn jemand besondere Vorlieben hat, das ist auch oft ein Tabu. Was denkt der andere über mich? Was hält er von mir, wenn ich mich wirklich zeige, in meiner Andersartigkeit oder in meiner Schwierigkeit, mit einem Problem.

Wie wichtig ist Sex überhaupt für ein erfülltes Leben?

Sexualität gehört zu den Grundbedürfnissen eines Menschen, also sehr wichtig. Sie ist eine enorme Quelle, die mir sehr viel Kraft und Lebensenergie geben kann, sofern ich sie für mich anzapfe. Und das schöne dabei ist, das ist unabhängig von einem Gegenüber. Denn du selbst bist die Quelle und entscheidest, ob sie tröpfelt, versiegt oder sprudelt.

ErdbeermundKann man guten Sex „lernen“?

Ja auf jeden Fall. Die größte Schwierigkeit dabei ist lediglich, dass das den Menschen oft nicht bewusst ist. Es gibt ja kein Schulfach oder Studium dazu. Viele denken „guter Sex fällt einfach so vom Himmel“. Doch so ist es nicht. Die gute Nachricht ist, man kann es lernen, üben, trainieren. Und dann kann sich ganz viel verändern und zwar so, wie ich du es gerne haben möchtest.

Monogamie und aufregender Sex – steht das im Widerspruch zueinander?

Für mich nicht. Die Frage ist immer was mache ich daraus. Wenn ich glaube aufregender Sex fällt einfach so vom Himmel, dann habe ich es schwer. Meist ist es am Anfang ganz aufregend und dann lässt es mit der Zeit nach, was nicht besser oder schlechter sein muss. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich die Sexualität in einer Beziehung immer wieder auf eine neue, auch „aufregende“ Ebene bringen kann. Nur dafür muss ich etwas tun. Mir etwas einfallen lassen, mich mit meinem Partner/in austauschen, in Kontakt sein, offen sein, mir Zeit für Sex und die Beziehung nehmen, mal etwas Neues ausprobieren, usw.

Und manchmal ist Sex vielleicht nicht aufregend, dafür erfüllend und befriedigend. Ist ja auch immer eine Frage der Definition und was man für Erwartungen hat. Nichts ist auf Dauer „immer“ nur aufregend.

In welchem Zusammenhang steht guter Sex und Alter? Ist toller Sex altersunabhängig?

Grundsätzlich ist toller Sex sicher altersunabhängig. Doch darf man einfach nicht vergessen, jedes Alter hat seine Zeit. Da gibt es z.B. die Zeit wo man jung und unerfahren ist, und erst mal Erfahrungen macht und sammelt. Sich selbst und das andere Geschlecht erst einmal kennenlernt. Dann gibt es die Zeit des Nestbaus, wo es um Familiengründung geht, darum einen Vater für die gewollten Kinder zu bekommen. Da hat Sex oft etwas mit Fortpflanzung zu tun. Dann kommt die Zeit wo Kinder da sind, und oft keine Zeit und Lust da ist für Sex. Ab plus/minus 35 fangen Frauen oft an, sich selbst (wieder) neu zu entdecken und auch ihre Sexualität. Dann irgendwann ist man älter, der Körper ändert sich, die Sexualität ändert sich, usw..

Deshalb: Guter Sex ist für mich nicht abhängig vom Alter, für mich ist das immer eine Frage von wie genau kenne ich mich selbst und meine eigenen Bedürfnisse und stehe ich auch dazu? Sprich bin ich bei mir und meinen Bedürfnissen, oder mache ich einfach etwas mit, das mir gar nicht entspricht. Und da ist sicher eine Tendenz: Umso älter ich werde, umso weniger lasse ich einfach etwas mit mir machen.

Was sind die häufigsten Gründe dafür, dass in einer Partnerschaft die Lust nachlässt – und was können wir dagegen tun?

Da kann man natürlich viele Gründe anführen. Ich glaube der häufigste Grund, dass Lust nachlässt, ist die Annahme, dass Lust einfach so da sein muss. Es herrscht oft so ein Irrglaube, dass es zwanzig Jahre so sein muss, dass man sich sieht und übereinander herfällt. Doch das ist meistens nicht so.

Lust ist wie ein Muskel, sie will trainiert werden. Sie braucht Raum, Zeit und Übung. Lust wird auch gerne vom Partner abhängig gemacht, „mein Partner muss mir Lust machen/verschaffen“. Das ist dann Lust von Außen, weil man selber nicht bereit ist, die Verantwortung dafür zu übernehmen.

Wenn ich will dass mein Feuer lodert, muss ich es am brennen halten. Jeder weiß, wie lange es dauert, bis ein Feuer so richtig brennt und lodert. So ist es auch mit der Lust. Wenn ich sie quasi immer warm halte, fängt sie ganz schnell wieder an zu lodern. Da reicht ein Funkte und das Feuer entfacht.

Was kann man also tun?

  • Verantwortung dafür übernehmen, du bist die Quelle deiner Lust
  • Sich Zeit nehmen, Platz und Raum dafür schaffen, ihr Aufmerksamkeit schenken, sich Lust und Zeit in den Terminkalender eintragen, mit sich selbst und mit dem Partner, verabrede dich mit deiner Lust
  • Selbstbefriedigung, Sex mit sich selbst ist ein Weg zur Lust, so kannst du dein Feuer ständig warm halten, und zwar unabhängig von einem Gegenüber

Wie können Frauen Sexualität intensiver erleben – egal ob mit oder ohne Partner?

Indem sie sich mit sich selbst beschäftigen und sich selbst (noch mehr) kennenlernen, körperlich und auch was ihre Bedürfnisse sind. Ihre ganz eigenen, und nicht die, die jemand sagt, dass sie sie haben sollen. Und dann auch zu sich und zu den eigenen Bedürfnissen stehen.

Jede Frau hat ihren eigenen Rhythmus, ihre Zeit die sie braucht, bis sie sich einem Mann öffnen kann und will. Und dazu sollte sie auch stehen und sich nicht übergehen.

Was kann ich tun, wenn ich unzufrieden mit meinem Körper bin?

Auch wenn das niemand hören mag: Annehmen ist der Zauberschlüssel. Sich selbst so annehmen wie man ist, mit all der Schönheit und auch der „vermeintlichen“ Unperfektheit. Leider führen wir Frauen da sehr gerne Krieg mit uns selber. Das richtet sehr viel Schaden an und bringt uns nicht weiter. Ich kann da nur empfehlen, sich dessen bewusst zu werden, und es zu ändern. Wer ständig Krieg führt mit dem wie es ist, der findet keinen Frieden. Was ich weg haben will, das bleibt meistens ganz hartnäckig. Mehr dazu und auch über die Möglichkeiten das zu ändern, habe ich in dem Artikel „Umarme deinen Körper – nur ein Wort“ geschrieben. Das würde hier den Rahmen sprengen.

Stress, Leistungsdruck, Job und Kinder – wie schaffen wir uns Freiräume für ein befriedigendes Sexualleben?

Indem wir dem auch eine Wichtigkeit, eine Priorität geben und erkennen, was es uns bringt. Viel Kraft, viel Lebensenergie und ein lustvolles und freudvolles Leben überhaupt. Daraus kann ich dann wieder Kraft tanken für den Rest, für Job, Familie, Kinder … Ich meine mal ganz ehrlich, die Menschen schreiben sich allesmögliche in ihren Terminkalender rein, nur das nicht. Da steht kein „Date mit meiner Lust oder heißes Date mit meiner Frau/Mann“. Das soll immer ganz von alleine kommen.

Wie wichtig ist Sex für Beziehungen?

Meiner Meinung nach: Sehr wichtig! Was haben wir uns noch zu sagen, wenn wir uns nicht mehr berühren?

Kannst du Bücher zu dem Thema empfehlen?

Ja klar. Ein Klassiker ist „Sex for one – die Lust am eigenen Körper“ von Betty Dodson. Auch sehr empfehlenswert ist „Entfalte dein erotisches Potential“ von Sheri Winston.

Was auch ein guter Tipp ist: Frauen können einen Ratgeber lesen, wie z.B. „der perfekte Liebhaber“ und sich selbst dann aus der Sicht eines Liebhabers, sprich Mannes entdecken und betrachten. Das kann sehr anregend sein. Wobei ich nicht immer alles so ernst nehme was in diesen Ratgebern steht. Es ist eine Anregung, Inspiration. Männer können das natürlich umgekehrt machen, und „die perfekte Liebhaberin“ lesen und sich damit erkunden und erforschen.

Ganz herzlichen Dank liebe Annika für deine tollen Fragen und den Mut, das Thema Sexualität auf deinem tollen Blog zu veröffentlichen. Da gehört schon etwas dazu. Wer noch Fragen hat, kann mir gerne eine Email (an ute@utebenecke.de) schreiben oder einen Kommentar zum Artikel.

Herzliche Grüße und eine lustvolle Zeit
Ute

Über Ute Benecke:
Ute BeneckeScham, Tabus, Erziehung, Unwissenheit und gesellschaftliche Konventionen halten Frauen oft davon ab, eine erfüllte und freie Sexualität zu leben. Ute Benecke motiviert Frauen zu erforschen was sie in ihrer eigenen Sexualität wollen und brauchen, was ihre Bedürfnisse sind, und dazu auch zu stehen. Ute Benecke berät und ermutigt Frauen ganz nach dem Motto: „Lebe die Sexualität die dir gut tut und steh dazu!„

Wissenswertes, Provokantes und Praktisches rund um die weibliche Sexualität gibt es in ihrem Blog und Newsletter auf www.utebenecke.de
Facebook: www.facebook.com/ute.benecke

5 Comments

  1. Ute Benecke

    Liebe Annika,
    ganz herzlichen Dank für dein Interview und deinen Mut, das lustvolle Thema Sexualität anzugehen. Hat viel Spaß gemacht deine Fragen zu beantworten.
    Mit Lust & Genuss zu einer erfüllten Sexualität.
    Herzliche Grüße
    Ute

  2. Martina Morf

    Liebe Ute,ich habe Dir eine PN auf Facebook geschickt,ich glaube das war falsch,ich hatte vergessen,dass Du lieber über mail schreibst.Entschuldige es bitte! 😉 Wenn Du magst schau mal bei Facebook auf Privatnachricht,ich habe Dir dazu etwas sehr persönliches geschrieben…….. LG Martina

  3. Claudia Huber

    Liebe Ute und liebe Annika,

    tolles Interview! Lust und die Eigenverantwortlichkeit dafür sind so wichtige Themen. Es ist einfach klasse, wenn man/frau sich unabhängig vom Partner als lustvoll erlebt!

    Viele Grüße
    Claudia

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