Genießen auf die französische Art

Leben und genießen wie Gott in Frankreich? Das ist auch in Wiesbaden möglich! Ein Interview mit Françoise Weyna, Inhaberin des „Geist- und Gastraums“.

Françoise Weyna ist Inhaberin des „Geist- und Gastraums“. Doch dies ist nicht einfach nur ein weiteres, französisches Restaurant – sondern viel mehr! Es ist ein Ort des gemeinschaftlichen Genießens und des Austauschens, ein Genuss-Salon nach alt-französischem Vorbild. Ich war von der Idee direkt fasziniert und hatte das Glück, ein persönliches Interview mit ihr für meinen Blog zu ergattern.

Sie betreiben einen Salon namens „Der Geist- und Gastraum“ – was ist das Besondere daran?

Diese Frage könnten natürlich am besten meine Gäste beantworten, die immer wieder gerne kommen. Der Geist- und Gastraum ist ein Ort des Austausches und der Begegnung, wie einst französische Salons waren. Geselligkeit, die mir sehr am Herzen liegt, wird hier ganz groß geschrieben. Und ganz klar auch Genuss, das Miteinander Genießen und Savoir-vivre werden hier besonders zelebriert und als „Türöffner“ zu Netzwerken genutzt.Das Motto des Salons ist nämlich „Gemeinsam genießen schafft Verbindung!“. Beim gemeinsamen Essen oder Kochen eines leckeren französischen Menüs kommen meine Gäste miteinander ins Gespräch und lernen neue Menschen kennen. Das Prinzip ist ganz einfach und funktioniert immer! Spätestens nach dem Apéritif oder dem ersten Glas Wein.

Man sitzt im kleinen Kreis, es ist warm und gemütlich, es wird sehr viel gelacht und geredet, wie zu Hause mit Freunden.

Alles ganz entspannt und ungezwungen. Das ist mir sehr wichtig. Ich mag keine Pflichtveranstaltungen. Ich glaube, das Besondere ist hier auch die „Wohnzimmer“- Atmosphäre, in der sich meine Gäste wohlfühlen. Man sitzt im kleinen Kreis, es ist warm und gemütlich, es wird sehr viel gelacht und geredet, wie zu Hause mit Freunden. Und viel mehr braucht man eigentlich nicht, um für ein paar Stunden den hektischen Alltag zu vergessen und glücklich zu sein. Außerdem ist die „bunte“ Mischung der Gäste ganz spannend. Denn mein Salon ist bewusst offen für Menschen unterschiedlichster Branchen und unterschiedlicher Herkunft. Man lernt Neues voneinander und nimmt neben neuen Kontakten auch ganz viel Inspiration mit nach Hause.

GeistundGastraum3Was erwartet die Gäste Ihres Salons? Wie läuft ein Abend bei Ihnen ab?

Sie erleben vor Ort mit netten Menschen zusammen einen heiteren Abend „à la Française “. Er fängt mit einem Apéritif und einer Vorstellungsrunde an, in der Küche oder bei schönem Wetter auf dem Balkon. Bei mir gibt es keinen „Elevator Pitch“. Ich möchte jedem Gast mehr Raum geben als nur ein paar Sekunden, denn jeder ist mehr als nur seine Kernbotschaft. Ich stelle als Gastgeberin jeden Gast persönlich vor, und wer möchte, erzählt noch mehr über sich.

Danach heißt es „à table!“, jeder nimmt an der Gästetafel Platz und genießt das 3-Gänge-Menü, das ich zubereitet habe. Saisonale authentische Gerichte aus der französischen Landhausküche, mit frischen Zutaten und viel Liebe gekocht. Während des Essens ist dann ganz viel Zeit, um sich zu unterhalten. Nach dem Dessert werden oft Visitenkarten, Flyer etc. ausgetauscht. Das Ganze ist bei mir generell open end. Jeder darf so lange bleiben, wie er möchte … es geht ja um genießen und zelebrieren. Umso später der Abend, umso intensiver werden die Gespräche und es kam schon mal vor, dass die letzten Gäste um 2:00 Uhr nach Hause gingen. Für mich gibt es nichts Schöneres, wenn sie bei mir die Zeit vergessen haben.

Manche Abende gestalte ich zusammen mit einem Co-Gastgeber aus meinem Netzwerk. Zwischen den Gängen gibt es dann Impulse zu seinem interessanten Thema. Mal geht es um Genuss, wie Champagner oder, wie bald im September, um Malbec Rotwein. Wir hatten aber auch eine kulinarische Lesung oder ein Dufterlebnis mit den Kräutern der Macchia, passend zu einem provenzalischen Menü. Bei den Table d’hôtes affaires – die Business Tafel – gibt es Business Impulse zwischen den Gängen. Und bei den Kochabenden kochen wir das Menü gemeinsam in der Küche. Das Programm ist also sehr abwechslungsreich. Es ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Wie sind Sie zu dieser Idee gekommen?

Essen und Kochen gehören ja zu meinen Lieblingsthemen. Ich bin damit aufgewachsen. In Frankreich sind Genuss, Savoir-vivre und Geselligkeit ganz groß geschrieben. Beruflich hatte ich bereits viel damit zu tun. Unter anderem im Produkt-Management oder in der Beratung für internationale Lebensmittelhersteller, seitdem ich selbständig bin. In den letzten 5 Jahren wuchs aber in mir immer mehr der Wunsch, meine Kreativität mehr auszuleben, eigene Ideen und Herzensprojekte in die Welt zu setzen. Ich bin sehr, sehr gerne Gastgeberin und liebe es einfach, nette Menschen an einem Tisch zu versammeln. So reifte nach und nach die Idee des Salons und dieser Table d’hôtes Abende. Das Konzept kommt aus meiner Heimat. Diese Tables d’hôtes werden dort in privaten Landgasthäusern angeboten.

In Frankreich sind Genuss, Savoir-vivre und Geselligkeit ganz groß geschrieben.

2010 habe ich Räumlichkeiten gesucht, die tagsüber ideal als Marketing-Büro und abends passend für einen Salon sein sollten, in denen ich also eine große Küche einrichten konnte. Ich fand ganz schnell genau das Richtige. Ich war hier sofort begeistert. Der Name „der Geist- und Gastraum“ kann ganz von alleine, eine Art Eingebung. Dann hat es noch gedauert, bis alles eingerichtet war und das endgültige Konzept stand. Februar 2011 war der offizielle Start, mit einem ganz klassischen Menü: überbackener Ziegenkäse auf Baguette mit Salat, Boeuf Bourguignon und Tarte aux pommes.

lavender-894919_1920Haben Sie ein Lieblings-Gericht?

Eine ganz schwierige Frage. Ich mag so vieles! Was ich esse hängt immer ein bisschen von meiner Lust und Laune des Tages und auch von der Jahreszeit ab. Ich liebe Gewürze und Kräuter und generell eher Herzhaftes als Süßes. Im Sommer kommen bei mir vor allem mediterrane-orientalische Gerichte auf den Teller. Und im Winter eher Deftigeres und Schmorgerichte, also Wohlfühl-Gerichte. Dazu fallen mir einfach 2 Gerichte ein, die wirklich zu meinen Lieblingsgerichten zählen.

Das eine ist „croûtes aux morilles“, eine Spezialität der Region Jura/Franche Comté, wo ich als Kind meine ganzen Ferien bei den Großeltern verbracht habe. Dieses Gericht gab es immer als Vorspeise in einem Restaurant, wo die ganze Familie sich gerne gesammelt hatte. Ich kann mich noch genau erinnern. Die Morcheln wurden in einer Sahne-Weißwein-Sauce (der Wein natürlich aus dem Jura ) zubereitet und in kleinen glänzenden Kupfertöpfen serviert. Die Sauce wurde auf geröstetem Brot verteilt, das vorab in Butter geschwenkt wurde. Ganz leicht also 🙂 Aber diese sahnige und knusprige Mischung schmeckt sooo gut.

Das andere Lieblingsgericht ist geschmorte Rinderbäckchen oder Kalbsbäckchen in Rotweinsauce. Weil das Fleisch nach so langem langsamem Schmoren intensiv nach den ganzen Aromen von dem Wein und den Gewürzen schmeckt und eine butterweiche Konsistenz bekommt, die auf der Zunge zergeht. Dazu ein selbstgemachtes Kartoffelpüree und ein Glas Rotwein. Für mich pures Glück!

Was bedeutet für Sie persönlich Genuss?

Es ist ganz klar viel mehr als nur gutes Essen und Trinken. Es ist eine persönliche Lebenseinstellung, die Art und Weise, wie ich lebe. Wie ich das Leben und den Moment betrachte und wahrnehme. Jeden Tag. Es geht um Lust und Appetit auf das Leben, und das was das Leben zu bieten hat. Auch um Hingabe, sich dem einen Moment oder der einen Tätigkeit ganz hingeben zu können, mit allen Sinnen.

Genießen ist eine persönliche Lebenseinstellung, die Art und Weise, wie ich lebe. Wie ich das Leben und den Moment betrachte und wahrnehme. Jeden Tag.

Genießen kann ich nicht „en passant“ auf die Schnelle. Es braucht Zeit, Muße, das Zelebrieren. Egal um was es geht. Es ist ein Gefühl der Freude, des Glücks. Genuss hat für mich wenig mit Disziplin, Kontrolle, Verzicht, sondern mit Großzügigkeit und Fülle zu tun. Nicht im Sinne von Menge, sondern von Lebensqualität. Und es ist ganz individuell.

Sie sind Projekt-Managerin und Markenberaterin für Genuss-Innovationen – was genau ist das?

Ich bin seit 14 Jahren selbständig. Ich berate und unterstütze vor allem Unternehmen aus der Lebensmittelbranche im Bereich Produkt-Management. Ich werde vor allem ins Boot geholt, wenn es darum geht, neue Produktideen zu finden und zu entwickeln, weil im Bereich Innovation ganz oft zusätzliches Know-how und Kapazität von außen benötigt werden. Ich übernehme sowohl strategische Aufgaben, wie zum Beispiel Markt-Analysen, Formulierung von Produkt-Konzepten, Erarbeitung der Positionierung für das neue Produkt etc.., als auch operationelle. Zum Beispiel die Koordination der Marktforschungsstudien, Innovationsworkshop, in der Phase der Ideenfindung. Aber auch danach die Koordination der Rezepturentwicklung und Packagingentwicklung, etc.., sodass aus der Idee, die auf dem Papier steht, ein konkretes leckeres appetitmachendes Produkt entsteht.

Ich möchte mich in Zukunft mehr und mehr für „sinnvollen“ und authentischen Genuss engagieren.

Ich bin allerdings dabei, mein Angebot zu re-positionieren, wie es in Marketing Sprache heißt. Ich möchte mich in Zukunft mehr und mehr für „sinnvollen“ und authentischen Genuss engagieren.

Es gibt mittlerweile so viele feine und kleine Produkte da draußen, die mit viel Liebe und guten Zutaten hergestellt werden. Diese Menschen und kleinen Manufakturen, die viel Herzblut in diese Produkte reinstecken, möchte ich im Marketing Bereich begleiten und unterstützen. Dazu kommt, dass ich richtig Spaß daran habe, über Food-Themen zu schreiben und das möchte ich in Zukunft nicht nur für mich in meinem Blog, sondern auch für andere anbieten. Und klar, mein Geist- und Gastraum soll wachsen, dazu habe ich viele Ideen, aber es steht erst für 2014 auf dem Plan….

francoise1Zu guter Letzt: Was ist für Sie ein besonderer Genuss?

Besondere genussvolle Augenblicke, die ich erlebe? Die erste Tasse Tee oder Kaffee auf dem Balkon im Sommer; ein Spaziergang am Meer oder in den Wellen schwimmen; die Sonne auf der Haut spüren; im Gras liegen und Vogelzwitschern hören; auf dem Markt schlendern. Mit Freunden oder netten Menschen an einem großen Tisch sitzen, lachen, bis spät in die Nacht essen und trinken, sich unterhalten, oder die ganze Nacht tanzen, ganz müde und glücklich ins Bett fallen und am nächsten Tag aufwachen und liegen bleiben dürfen.

Ich danke Ihnen vielmals für das Interview und freue mich schon vorbeizuschauen, wenn ich das nächste Mal in Wiesbaden bin!

Weitere Informationen, kommende Events im Geist-und Gastraum und vieles mehr findet ihr hier:
www.geistundgastraum.de
www.facebook.com/GeistundGastraum

P.S. Wenn ihr besonders genussvolle, einzigartige Locations oder Menschen kennt, die in dem Bereich tätig sind, freue ich mich über eure Tipps! Ich bin ständig auf der Suche nach Menschen, die ihre Leidenschaft täglich leben – nicht nur im Bereich Essen und Trinken, sondern in allen Bereichen, die uns dazu verhelfen, unser Leben glücklicher und genussvoller zu verbringen.Signatur

 

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3 Gedanken zu “Genießen auf die französische Art”

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