6 Tipps für weniger Stress und mehr Genuss

Was hat Genuss mit einem Akku zu tun? Genuss als Mittel gegen Stress und 6 Tipps, wie man trotz stressigem Alltag das Leben bewusster genießen kann.

Seit ein paar Wochen ist es hier recht ruhig – dafür ein großes Sorry. Meine Ausrede: Ich hatte einfach null Zeit! Beruflich ist sehr viel bei mir los, aktuell sieht mein Tagesblauf wie folgt aus: Arbeiten, nach Hause kommen, aufräumen, arbeiten, essen, schlafen. Und dann wieder von vorne.

Der Genuss als Looser im Alttags-Chaos

Was dabei auf der Strecke geblieben ist? Das Genießen! Schande über mich, aber in den letzten Wochen habe ich mich nicht an meinen eigenen Ratschlag gehalten, jeden Tag zu genießen – und wenn es auch nur ein paar Minuten sind. Echt vorbildlich, einen Blog über das Thema zu betreiben und sich dann selber nicht dran zu halten. Andererseits macht es mir deutlich, wie schnell das Thema Genuss vergessen ist, wenn es mal hektisch hergeht. Dann ist alles andere wichtiger: Termine, Arbeit, putzen – und die eigenen Bedürfnisse werden immer hinten angestellt. Und wenn wir ehrlich sind: es kommt immer etwas anderes dazwischen – darum kommt das Genießen am Ende immer zu kurz. Der Genuss ist der Looser im Alttags-Chaos und wir immer als Letztes in die Mannschaft gewählt.

Die Warnschüsse des Körpers

Nach mehreren Wochen zeigen sich bei mir bereits deutliche Anzeichen des Nicht-Genießens und der Unachtsamkeit: Ich bin permanent müde, schlafe unruhig und träume schlecht. Ich bin launisch und ständig zickig, weil ich das Gefühl habe, nicht alles zu schaffen. Und – immer ein deutliches Anzeichen – ich bin trotz sonniger 30 Grad krank geworden. Nennt mich abergläubisch, aber ich bin davon überzeugt, dass jede Krankheit ein Warnschuss des Körpers ist, langsamer zu machen und zur Ruhe zu kommen. Frei nach dem Motto: Wenn du Idiot alle anderen Warnzeichen ignorierst, muss ich eben härtere Maßnahmen ergreifen! Unser Körper will uns ja nichts Böses, sondern dafür sorgen, dass wir auch in Zukunft noch einwandfrei funktionieren und nicht aus dem letzten Loch pfeifen. Danke dafür, lieber Körper, ich werde mir das immer wieder vor Augen führen, wenn ich mal wieder was an dir auszusetzen habe.

Kann man Stress wirklich „managen“?

Der erklärte Feind des Genusses ist – Trommelwirbel – der Stress. Was eine Überraschung oder? (Achtung Ironie). Ich glaube nicht nur mir, sondern auch vielen anderen hängt das Thema „Stressmanagement“ zum Hals raus. Aber anscheinend funktionieren all die klugen Ratgeber nicht, ich sehe jedenfalls nicht mehr ausgeglichenere Menschen als früher. Meine Meinung dazu: Die Ursachen von Stress kann man nicht „managen“ – man kann nur anders darauf reagieren bzw. damit umgehen.

Wenn wir gestresst sind, schieben wir das gerne auf alles Mögliche: zuviel Arbeit, fordernde Partner, nörgelnde Kinder, nervige Kunden, den Verkehr – alles äußere Umstände. Die kann man auch nicht managen, die Welt ist halt einfach so. Tatsache ist jedoch: Es gibt keinen Stress, der nicht aus deinem Inneren kommt! Kein Mensch der Welt kann dich stressen, wenn du ihm nicht die Gelegenheit dazu gibst. Doch das ist einfacher gesagt als getan, oder?

Relax, take it easy…

Du hast Recht, mühelos ist das nicht. Ich glaube, ich werde mein ganzes Leben daran arbeiten müssen, alles gelassener zu sehen und mich eben nicht ständig durch äußere Faktoren stressen zu lassen. Nicht auf dieses Zusammenziehen im Bauch zu achten, dass meinen Blutdruck gefährlich steigen lässt.

Manchmal wird es mir besser gelingen, manchmal schlechter. Aber ich werde daran arbeiten, immer wieder. Bzw. werde ich versuchen, eben NICHT an mir zu arbeiten – etwas paradox, oder? Ich möchte alles relaxter, unverbissener sehen. Ich glaube ein wichtiger Schritt ist zu erkennen, dass man nicht perfekt sein muss. Das vieles schon im ersten Anlauf einfach gut genug ist.stress_burnout_schalfen

Worauf es ankommt

Ich sollte einsehen, dass die Küche nicht immer sauber sein muss, mein Auto ruhig schlammgrau anstatt weiß sein darf und meine Haare eh machen, was sie wollen. Ich werde nie weiße Kleidung tragen können, mich auf Fotos immer blöd finden und schlecht in Mathe sein. Gegen vieles sind wir machtlos. Im Prinzip weiß es jeder von uns: Wir werden uns im Alter mit hoher Sicherheit NICHT darum scheren, dass wir nicht ordentlicher, perfekter, schöner, intelligenter oder erfolgreicher waren. Aber wir werden uns um die vergeudete Zeit und die Hetzerei ärgern, in der wir das Leben nicht genug genossen und intensiv erlebt haben. Das wir nicht das genossen haben, was da ist.

Wir werden uns drüber ärgern, nicht genug Zeit für Freunde, die Familie und für uns selbst gehabt zu haben. Dass wir nicht etwa den Putzlappen, sondern lieber ein Glas Wein in der Hand hätten halten sollen. Mehr zu lachen. In die Wolken zu starren, zuviel zu essen, zu reisen, mit seinem Kind zu toben. HÄTTE und SOLLEN sind die deprimierensten Wörter, die es gibt.

Genießen bedeutet intensiv zu leben. Im Urlaub können wir das prima, ich merke es selbst immer wieder. Im Urlaub sprudel ich von Ideen, träume, bin motiviert und geistig und körperlich sehr stark und ausgewogen. Doch sobald man wieder Zuhause ist, holt einen das alte Denken wieder ein: „Du müsstest doch erst…“, „Solltest du nicht…“ „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen…“ „Könnte ich das nicht noch besser machen…“ Dann kommt der Perfektionist in mir wieder hoch, der es allen Recht machen will.

Bedeutender oder unbedeutender Stress?

In allen Management-und Erfolgs-Ratgebern steht: „Fokussier dich, geb alles, arbeite hart, werde besessen – dann wird sich dein Erfolg einstellen.“ Wenn er das nicht tut, hast du noch nicht hart genug an dir gearbeitet. Und dann wundern wir uns, das wir gestresst sind? Versteh mich nicht falsch: ich weiß, dass es oft hektische Phasen gibt, dass wir durchaus unser Bestes geben sollten – aber nur bei den Dingen, die für uns Bedeutung haben! Wenn ich „positiven Stress“ erlebe, weil ich hart an einem wichtigen Projekt arbeite und daran wachsen will, ist das ganz anderer Stress, als der, der durch Stau, Zeitdruck und blöde Meetings entsteht. Die eine Form ist sinnvoll und wichtig – auf die andere kann man getrost verzichten.

Deine Batterie

battery-306298_640Und genau bei diesem „blödsinnigen Stress“ solle man ansetzen, um mehr Energie und Lust für das wirklich Bedeutende und den Genuss zu haben. Ich stelle mir meinen Tag gerne als eine Batterie mit begrenzter Kapazität vor: Wenn der ganze Kleinscheiß zuviel Energie verbraucht, habe ich nicht mehr genug für den Rest. Ganz simpel. Es kommt also auf eine gesunde Mischung der Energiefresser und Engerie-Lieferanten an, damit du nicht irgendwann mit leerem Akku durch die Gegend läufst und komplett ausgelaugt bist.


6 Tipps für mehr Genuss und einen ausgeglichenen „Energie-Haushalt“:

1. Energiefresser identifizieren
Ganz klar: Wenn du keine Ahnung hast, was dir am Tagesende die Kraft geraubt hat, kannst du nichts dagegen unternehmen. Also versuch dir klar zu machen, mit welcher Art von Energiefresser du es zu tun hast: Ist es positiver und sinnvoller Stress für dich – oder doch die kleine zeitraubenden Nerv-Monster, auf die du keine Lust hast? Und was kannst du täglich tun, damit die Zeitmonster nicht die Oberhand gewinnen zu lassen?

2. Eliminieren
Unterteil die zeitraubenden Nervmonster wie z.B. Putzen in kleinere Einheiten. Du musst z.B. nicht jeden Tag alles putzen, sondern machst immer nur 1-2 kleinere Sachen. Da darf das dreckige Geschirr dann auch mal bis zum nächsten Tag stehen bleiben. Wen stört das denn wirklich? Doch nur dich selber oder? Mach nur einen Teil und dann sorg dafür, dass es dir gut geht. Ignorier eisern die Stimme in deinem Kopf, die dich als faulen Taugenichts und Looser beschimpft. Setz dir selber Prioritäten und achte darauf, dass dein Wohlbefinden ganz oben stehst!

3. Ausgleichen
Du hast an einem Tag super viel auf der Arbeit zu tun gehabt? Dann geb dir nicht noch den letzten Rest, indem du deinen übrigen Tag mit weiteren Pflichten füllst. Wenn ein Tag besonders stressig war, mach es dir dafür abends besonders schön! Lade deinen Akku wieder auf. Sag Termine ab, geh nicht ans Telefon und ignorier Facebook. Morgen ist auch noch ein Tag, jetzt bist du an der Reihe! Geh baden, les ein Buch, hör Musik oder starr an die Wand, ganz egal – Hauptsache, es tut dir gut!

4. Besser unperfekt als gar nicht!
Perfektionismus ist weiter verbreitet als man glaubt. Ich setze oft so hohe Erwartungen an mich und meine Arbeit, dass ich oft davor zurückschrecke, es vor mir herschiebe oder gar nicht erst anfange. Erst muss ich etliche Bücher wälzen, Seminare besuchen oder sonst was tun, weil ich denke, dass ich einfach nicht GUT GENUG bin. So lange, bis mir die Puste ausgeht. Mittlerweile denke ich mir oft, dass ich erstmal machen und anfangen sollte – und das der Rest schon folgen wird. Wir müssen lernen, mehr Ur-Vertrauen in uns und unsere Umwelt zu haben. Kein Mensch wird dir den Kopf abhacken, wenn es beim 1. Mal nicht perfekt ist. Dieser heftige Kritiker existiert rein in unserem Kopf, kein anderer Mensch wird jemals so respektlos mit dir reden wie du selber! Also zügel ihn.

5. Auftanken!
Ja ich weiß, dass es lange Durststrecken gibt, wo wir auf der Strecke bleiben. Zeiten, die wenig Platz für Genuss lassen. Umso wichtiger ist das Aufladen zwischendurch oder danach. Ich bin immer ein Fan davon, lieber täglich was Kleines für mich zu tun, als nach Monaten was ganz Großes. Ein leckeres Eis, ein Spaziergang am See, ein gutes Buch oder einfach nur seinem Hobby nachgehen – das lädt deinen Akku auf, macht dich stärker und widerstandsfähiger gegen die Akku-Fresser. Und wenn das Kleine nicht klappt, muss es halt doch was Großes sein: Verrreise, probier was Verrücktes aus, mach etwas ganz Neues, erfüll dir einen Traum. Aber vergess es nicht, geh nicht direkt weiter zum nächsten Prokekt, ohne vorher ordentlich deine Akku aufzuladen!

6. Denk an dich – wirklich!
Der wichtigste Tipp überhaupt: Du alleine bist dafür verantwortlich, dass es dir richtig gut geht – nur du und niemand sonst!! Weder dein Partner, deine Kinder, Kunden oder Chefs können dir so viel Energiereserven geben, dass du lange davon zehren könntest. Das musst du schon selber tun, es ist deine höchste Pflicht. Denk täglich an dich und deine Bedürfnisse und fordere Zeit und Platz dafür ein. Ich habe z.B. seit kurzer Zeit einen eigenen Raum für mich Zuhause. Hier kann ich arbeiten, Musik hören und ihn gestalten, wie ich will. Es war nicht leicht ihn zu bekommen, aber er tut mir wirklich gut! Wenn du keinen eigenen Raum hast, dann such dir „dein Ding“. Geh spazieren, zum Sport, geh fotografieren – such dir ein Hobby, etwas was nur dir gehört. Das ist wie Balsam für die Seele.

Zum Schluß

So, das waren jetzt ganz schön viele Tipps – und das von jemandem, der es selber nicht perfekt beherrscht. Doch ich behaupte nicht, dass ich der Genießer schlechthin und ein absolut ausgeglichener Mensch bin! Der einzige Unterschied zwischen dir und mir ist, dass es mir überaus wichtig erscheint, das Leben intensiv zu genießen. So wichtig, dass ich mich permanent damit beschäftige und dir dabei helfen will. Aber ich bin kein weltfremder Mönch, der in völliger Entspannung abgeschottet im Kloster lebt. Auch mich holen alte Gewohnheiten und das Alltags-Chaos immer wieder ein.

Daher merk dir bitte nur eines: Stell dir deine Tages-Energie als Batterie vor und achte darauf, dass dein Akku nicht leer läuft. Kümmere dich darum, dass er ausgeglichen bleibt – damit du ein gesundes, fröhliches und genussreiches Leben führen kannst! Behalte nur dieses Bild im Kopf und erinnere dich immer wieder daran – und du wirst definitiv mehr genießen können.

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1 Gedanke zu “6 Tipps für weniger Stress und mehr Genuss”

  1. Hallo und gute Besserung,
    auch habe ich es geschafft mir bei 30° eine Erkältung einzufangen. Und warum? Weil man natürlich alles wieder zur Vollendung bringen wollte, alles perfekt und schnell noch hier und da usw. In diesem Sinne Kopf hoch. Da leidet jemand mit.

    Entspann dich. Grüße 😉

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