Ich habe lange nach einer Aufbewahrungslösung gesucht, die nicht nach Plastikbox aussieht. Irgendetwas für den Flur, wo Schlüssel, Sonnenbrille und die tausend Kleinigkeiten landen, die sonst überall herumliegen. Als ich diesen Organizer aus stabiler Baumwolle fertig hatte, war sofort klar: Der bleibt. Drei geräumige Taschen an einer gehäkelten Wand, aufgehängt an einem schlichten Holzstab – Ordnung, die gleichzeitig hübsch aussieht.
Dieser Wand-Organizer wird komplett aus festen Maschen gearbeitet: eine flache Rückwand, drei ovale Taschen mit aufrechten Seitenwänden und zwei Laschen, durch die der Holzstab geschoben wird. Die Konstruktion ist logisch und übersichtlich – Rückwand in Reihen, Taschen in Runden, Laschen annähen, fertig. Wenn du ein Rechteck und ein Oval häkeln kannst, schaffst du auch dieses Projekt.
Das Geheimnis der Stabilität: eine Nadelstärke kleiner als für das Garn empfohlen. Dadurch wird das Maschenbild dicht und fest, und die Taschen behalten ihre Form, auch wenn du sie ordentlich befüllst. Baumwolle statt Acryl trägt dazu bei – sie steht einfach besser.

Warum dieses Projekt so gut funktioniert
Die ovale Taschenform ist der Clou: Der ovale Boden gibt jede Tasche Tiefe, die gerade hochgearbeiteten Seitenwände sorgen für aufrechte, stabile Fächer. Die hinteren Hälften der Taschen werden an der Rückwand festgenäht, die vorderen wölben sich nach außen – so entstehen echte, benutzbare Taschen und keine flachen Deko-Applikationen.
Die Aufhängung ist ebenso durchdacht: Zwei gefaltete Laschen bilden Schlaufen für den Holzstab, und eine Baumwollkordel als Dreieck vervollständigt die Hängung. Alles aus Garn, alles waschbar, alles ersetzbar.
Schwierigkeit und Zeitaufwand
Ich stufe dieses Projekt als sichere Anfängerin bis mittel ein. Du solltest feste Maschen in Reihen und Runden beherrschen, gleichmäßig zunehmen und Teile zusammennähen können. Rechne mit etwa 6 bis 10 entspannten Stunden – ideal für mehrere ruhige Abende, zum Beispiel im Herbst, wenn es draußen früh dunkel wird.
Fertige Maße
- Rückwand: ca. 25,4 cm (10″) breit und 71,1 cm (28″) lang
- Jede Tasche: ca. 25,4 cm (10″) breit, 12,7 cm (5″) tief, 10,2 cm (4″) hoch
- Aufhängelaschen: ca. 5,1 cm (2″) breit und 10,2 cm (4″) lang
- Gesamtlänge hängend: ca. 86,4 cm (34″) vom Stab bis zur Unterkante
Material
Garn
- Ca. 400 bis 450 g Baumwollgarn in Worsted-Stärke, cremeweiß oder natur
Gute Garne: Lily Sugar’n Cream oder Bernat Handicrafter Cotton – strapazierfähig und mit klarer Maschendefinition. Baumwolle hält die Form deutlich besser als Acryl, und das zählt bei einem Organizer, der Gewicht tragen muss.
Häkelnadel
- 5,0 mm (US H/8) – eine Nummer kleiner als für das Garn empfohlen, für das dichte Maschenbild
Sonstiges
- Holzstab, ca. 30,5 cm (12″) lang und ca. 1,9 cm (0,75″) Durchmesser
- Ca. 61 cm (24″) Baumwollseil oder Makramee-Kordel zum Aufhängen
- Stopfnadel zum Vernähen und Zusammennähen
- Schere
- Maschenmarkierer (optional, aber hilfreich)
- Maßband
Maschenprobe
16 FM und 18 Reihen = 10,2 cm (4″) in festen Maschen, flach gearbeitet. Prüfe deine Maschenprobe vor Beginn – ein festeres Maschenbild bedeutet stabilere Taschen.
Kontrollpunkt: Nach ca. 28 Reihen sollte die Rückwand etwa 17,8 cm (7″) lang sein. Stimmt es nicht, Nadelstärke anpassen und erneut prüfen.
Abkürzungen
- LM = Luftmasche
- KM = Kettmasche
- FM = feste Masche: Einstechen, Faden holen (2 Schlingen auf der Nadel), Umschlag und durch beide Schlingen ziehen.
- zun = Zunahme: 2 FM in dieselbe Masche arbeiten.
- M = Masche(n)
- Rd = Runde(n)
- wdh = wiederholen
Besondere Maschen
- Nur in das hintere Maschenglied arbeiten (hMG): Nur in das hintere Maschenglied einstechen statt in beide. In Runde 5 des Taschenbodens erzeugt das eine sichtbare Kante zwischen Boden und Seitenwand – dadurch steht die Tasche besser.
Hinweise vor Beginn
- Diese Anleitung verwendet US-amerikanische Häkelbegriffe in der deutschen Übersetzung (FM = US sc).
- Die Rückwand wird flach in Reihen gearbeitet, die Taschen in verbundenen Runden (ovaler Boden, dann Seitenwände), die Laschen flach und zuletzt angenäht.
- Die Wende-LM zählt in der gesamten Anleitung nicht als Masche.
- Bei den Taschenseitenwänden hörst du mit den Zunahmen auf und arbeitest gerade weiter – so entstehen die aufrechten Wände.
- Markiere den Rundenanfang der Taschen mit einem Maschenmarkierer – in der Spirale verliert man leicht die Orientierung.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Rückwand
Das tragende Fundament. Flach in Hin- und Rückreihen arbeiten.
Reihe 1: 41 LM anschlagen. FM in die 2. LM ab Nadel und in jede LM. (40 M)
Reihe 2: 1 LM, wenden. FM in jede M. (40 M)
Reihen 3 bis 112: Reihe 2 wdh. (40 M pro Reihe)
Das Rechteck sollte ca. 25,4 cm (10″) breit und 71,1 cm (28″) lang sein. Ist es kürzer, weitere Reihen hinzufügen, bis die Länge stimmt. Abketten, Fäden vernähen.
Tipp: Zähle etwa alle 10 Reihen deine Maschen. Wer versehentlich zu- oder abnimmt, bemerkt es so früh genug.
Taschen (3 Stück)
Ovaler Boden zuerst, dann die Seitenwände hochbauen. Der Boden gibt die Tiefe, die Seiten die Höhe.
Ovaler Taschenboden
Runde 1: 26 LM anschlagen. FM in die 2. LM ab Nadel, FM in die nächsten 23 LM, 3 FM in die letzte LM. Entlang der gegenüberliegenden Seite der LM-Kette: FM in die nächsten 23 M, 2 FM in die letzte M. Mit KM in die erste FM schließen. (52 M)
Runde 2: 1 LM. FM in die erste M, FM in die nächsten 23 M, je 2 FM in die nächsten 3 M, FM in die nächsten 24 M, je 2 FM in die nächsten 2 M. Mit KM schließen. (58 M)
Runde 3: 1 LM. FM in die ersten 25 M, (FM, zun) 3-mal, FM in die nächsten 25 M, (FM, zun) 2-mal. Mit KM schließen. (64 M)
Runde 4: 1 LM. FM in die ersten 26 M, (2 FM, zun) 3-mal, FM in die nächsten 26 M, (2 FM, zun) 2-mal. Mit KM schließen. (70 M)
Das Oval sollte ca. 25,4 cm (10″) lang und 10,2 bis 12,7 cm (4 bis 5″) breit messen.
Taschenseiten
Jetzt die Wände aufbauen – ab hier keine Zunahmen mehr.
Runde 5: 1 LM. Diese Runde nur in das hintere Maschenglied arbeiten: FM in jede M. Mit KM schließen. (70 M)
Runden 6 bis 16: 1 LM. FM in beide Maschenglieder jeder M. Mit KM schließen. (70 M pro Runde)
Runde 17 (Oberkante): 1 LM. FM in jede M. Mit KM schließen. Abketten. (70 M)
Die Tasche sollte ca. 10,2 cm (4″) hoch sein, vom Boden bis zur Oberkante.
Noch 2 Taschen nach derselben Anleitung arbeiten.
Fehlerbehebung: Schlaffe Taschen deuten auf eine zu lockere Maschenprobe hin. Eine Nadelstärke kleiner nehmen oder das fertige Stück leicht stärken.
Aufhängelaschen (2 Stück)
Reihe 1: 9 LM anschlagen. FM in die 2. LM ab Nadel und in jede LM. (8 M)
Reihen 2 bis 16: 1 LM, wenden. FM in jede M. (8 M)
Abketten, dabei einen langen Faden zum Annähen lassen. Die Laschen sollten ca. 5,1 cm (2″) breit und 10,2 cm (4″) lang messen.
Zusammensetzung
Laschen befestigen
Jede Lasche der Länge nach falten, sodass eine Schlaufe für den Holzstab entsteht. Ca. 5,1 cm (2″) von den Seitenkanten entfernt ganz oben auf der Rückwand positionieren und mit Überwendlingsstichen sicher an der Rückseite befestigen. Die Stiche verstärken – die Laschen tragen das ganze Gewicht.
Taschen positionieren und annähen
Die Rückwand flach hinlegen, rechte Seite nach oben. Die drei Taschen gleichmäßig verteilen: Oberkante der oberen Tasche ca. 7,6 cm (3″) unter den Laschen, die mittlere ca. 7,6 cm (3″) unter der oberen, die untere ca. 7,6 cm (3″) unter der mittleren. Vor dem Nähen feststecken.
Mit Stopfnadel und langem Faden jede Tasche mit Überwendlingsstichen um die hintere Hälfte des ovalen Bodens an die Rückwand nähen. Die Vorderseite bleibt offen und wölbt sich nach außen – das ist die Taschenöffnung. Alle Stiche gut sichern, Fäden vernähen.
Stab und Kordel anbringen
Den Holzstab durch beide Laschenschlaufen schieben. Die Kordel auf ca. 61 cm (24″) zuschneiden, beide Enden an den Stabenden verknoten – ein Dreieck zum Aufhängen. Die Kordellänge je nach Hängeort anpassen.
Größe anpassen
Für kleinere Wandflächen nur zwei Taschen arbeiten. Jede zusätzliche Runde an den Seitenwänden bringt etwa einen halben Zentimeter Taschentiefe. Breitere Taschen: längere Anfangskette beim Oval, Zunahmerunden entsprechend anpassen.
Pflege
Wenn möglich punktuell reinigen mit einem feuchten Tuch. Bei Bedarf von Hand waschen in kühlem Wasser mit mildem Waschmittel, sanft ausdrücken – nicht wringen. Flach trocknen auf einem Handtuch, dabei die Taschen in Form ziehen. Baumwolle kann in der Maschine oder bei Hitze leicht einlaufen. Nicht bleichen.
Mach ihn zu deinem Organizer
Dieser Organizer ist eine wunderbare Leinwand für deine Ideen: Jede Tasche in einer anderen Farbe für einen fröhlichen Look, oder zwei Farben im Wechsel für dezente Streifen auf der Rückwand. Eine Runde Krebsmaschen (FM rückwärts gearbeitet) um jede Taschenoberkante ergibt eine hübsche Kordelkante. Kleine gehäkelte Etiketten mit aufgestickten Worten wie „Schlüssel“ oder „Post“ machen ihn zum echten Hingucker im Flur.
Und falls du doch ein Kinderzimmer damit ausstatten willst: In Zartrosa, Salbeigrün oder Staubblau wird aus dem praktischen Organizer im Handumdrehen ein liebevolles Geschenk zur Geburt.


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