Frühling, 7 Uhr morgens, spät zum Brunch – und das Outfit brauchte nur etwas über den Schultern. Kein voller Cardigan, kein Schal, nur eine kleine Schicht, die mit Absicht aussieht, ohne dass man beim Restaurantbetreten überhitzt. Dieser Bolero ist genau dieses „etwas Besseres”: zugeschnitten, luftig, mit wunderschönen offenen Quadraten, durch die die Luft strömt. Und ehrlich? Ich habe ihn öfter getragen, als ich zugeben möchte, seit er fertig ist.

Über diese Bolero-Häkelanleitung
Dieser altrosa Bolero mit offener Netzstruktur trifft genau den Sweet Spot zwischen beeindruckend und wirklich machbar. Die Konstruktion ist unkompliziert: flache Panels für Rücken und zwei Vorderteile, Schultern und Seiten zusammennähen, dann die Ärmel in Runden anarbeiten. Die Vorderblenden und die Ausschnitteinfassung kommen zum Schluss und geben dem Stück eine Boutique-reife Politur.
Das offene Netzmuster erzeugt ein Gitter aus kleinen quadratischen Fenstern – leicht, atmungsaktiv, perfekt zum Layern über Trägertops oder Kleider, wenn du Bedeckung ohne Wärme willst. Kühle Sommerabende, klimatisierte Büros, Übergangswetter: alles drin.
Schwierigkeitsgrad
Mittelstufe – aber auch eine abenteuerlustige Anfängerin, die schon ein paar Projekte gemacht hat, kann ihn absolut angehen. Du solltest Grundmaschen, Reihenarbeiten, Maschenzählen und einfaches Nähen beherrschen. Wenn du noch nie ein Kleidungsstück gemacht hast: Lass dich nicht abschrecken – dieses ist ein großartiger Lehrmeister.
Fertige Maße
- Größe: S/M, Brustumfang ca. 86 bis 91 cm (34 bis 36 Inches); fertiger Brustumfang ca. 96,5 cm (38 Inches) bei offener Front
- Länge Schulter bis Saum: ca. 41 cm (16 Inches)
- Ärmellänge: ca. 46 cm (18 Inches) vom Unterarm bis zum Handgelenk
Das brauchst du
Garn: ca. 732 bis 914 m (800 bis 1.000 Yards) DK-Garn (Kategorie 3). Das Musterstück nutzt Baumwolle oder Baumwollmischung in Altrosa. Baumwolle funktioniert hier wunderbar, weil sie ausgezeichneten Fall und Maschendefinition hat. Alternativ Bambusmischung oder leichtes Acryl.
Häkelnadel: 4,0 mm (US G/6), oder die Größe für die Maschenprobe
Zubehör: Stopfnadel zum Vernähen und Nähen, Maschenmarkierer, Schere, Maßband
Maschenprobe
4 Musterrapports und 8 Reihen = ca. 10 cm (4 Inches) im offenen Netzmuster. Die Probe zählt bei der Passform – nimm dir bitte Zeit, sie vor dem Start zu prüfen.
Abkürzungen
- LM = Luftmasche
- KM = Kettmasche
- FM = feste Masche
- Stb = Stäbchen
- LM-Raum = Luftmaschenraum
- M = Masche(n)
- wdh. = wiederholen
Das offene Netzmuster verstehen
Das schöne Gittermuster entsteht aus einem einfachen Zwei-Reihen-Rapport.
Anschlag: Ein Vielfaches von 3 Luftmaschen, plus 2.
Reihe 1: Stb in die 4. LM ab der Nadel (die übersprungenen LM zählen als erstes Stb), *1 LM, 1 LM überspr., Stb in die nächste LM*, von * bis * wdh. Wenden.
Reihe 2: 3 LM (zählen als erstes Stb), *Stb in den nächsten 1-LM-Raum, 1 LM*, von * bis * wdh., mit Stb oben in die Wendekette enden. Wenden.
Reihe 2 für das Muster wiederholen. Das ist alles: Du arbeitest immer ein Stb in den Luftmaschenraum darunter und erzeugst einen neuen Luftmaschenraum – fast meditativ.
Rückenpanel
62 LM anschlagen (für andere Größen in Vielfachen von 3 plus 2 anpassen).
Reihe 1: Stb in die 4. LM ab der Nadel, *1 LM, 1 LM überspr., Stb in die nächste LM*, wdh. Wenden. (20 Stb, 19 1-LM-Räume)
Reihen 2 bis 32: 3 LM, *Stb in den nächsten 1-LM-Raum, 1 LM*, wdh., mit Stb oben in die Wendekette enden. Wenden.
Nach Reihe 32 sollte das Rückenpanel ca. 41 cm (16 Inches) lang und 38 cm (15 Inches) breit sein. Faden sichern und vernähen.
Linkes Vorderpanel
32 LM anschlagen.
Reihe 1: Stb in die 4. LM ab der Nadel, *1 LM, 1 LM überspr., Stb in die nächste LM*, wdh. Wenden. (10 Stb, 9 1-LM-Räume)
Reihen 2 bis 32: 3 LM, *Stb in den nächsten 1-LM-Raum, 1 LM*, wdh., mit Stb oben in die Wendekette enden. Wenden.
Faden sichern. Dieses Panel sollte ca. 41 cm (16 Inches) lang und 19 cm (7,5 Inches) breit sein.
Rechtes Vorderpanel
Genau wie das linke Vorderpanel arbeiten.
Schultern und Seiten nähen
Das Rückenpanel flach mit der rechten Seite nach oben legen. Die Vorderpanels rechts auf rechts darauflegen, die Oberkanten für die Schultern bündig ausrichten.
Schulternähte: Mit Stopfnadel und Garn die Schulternähte mit Überwendlings- oder Matratzenstich zusammennähen. Jede Schulternaht sollte ca. 7,5 bis 10 cm (3 bis 4 Inches) lang sein – der hintere Ausschnitt in der Mitte bleibt ca. 18 bis 20 cm (7 bis 8 Inches) offen.
Seitennähte: Von der Unterkante aus jede Seite ca. 18 cm (7 Inches) zusammennähen, die oberen 23 cm (9 Inches) für das Armloch offen lassen.
Ärmel (2-mal)
Die Ärmel werden in Runden direkt an die Armlochöffnung angehäkelt.
Runde 1: Mit der rechten Seite nach außen das Garn an der Unterarmnaht ansetzen. 3 LM, ca. 30 Stb gleichmäßig um die Armlochöffnung arbeiten, in die Reihenenden und verfügbare Maschen. Mit KM oben in die 3-LM schließen. (30 Stb)
Runde 2: 3 LM, *Stb in die nächste M, 1 LM, 1 M überspr.*, ringsherum wdh., ggf. anpassen, um das Gittermuster zu erhalten. Mit KM oben in die 3-LM schließen.
Runden 3 bis 36: 3 LM, *Stb in den nächsten 1-LM-Raum, 1 LM*, ringsherum wdh. Mit KM schließen.
Weiterarbeiten, bis der Ärmel ca. 46 cm (18 Inches) ab dem Unterarm misst oder deine Wunschlänge. Der Ärmel sollte entspannt sitzen, durch die offene Konstruktion leicht glockenförmig.
Bündchenkante: KM in jede M und jeden 1-LM-Raum ringsherum für eine saubere Kante. Faden sichern.
Für den zweiten Ärmel wiederholen.
Vorderblenden und Ausschnittkante
Diese Einfassung gibt dem Bolero sein poliertes, fertiges Aussehen. Du arbeitest sie in einem Stück die rechte Vorderseite hoch, um den Ausschnitt und die linke Vorderseite runter.
Reihe 1: Mit der rechten Seite nach außen das Garn an der unteren rechten Vorderecke ansetzen. FM gleichmäßig die rechte Vorderkante hoch arbeiten, ca. 2 FM pro Reihenende. Weiter um den hinteren Ausschnitt, je 1 FM in jede Masche oder jeden Raum. Weiter die linke Vorderkante runter. Wenden.
Reihe 2: 1 LM, FM in jede FM der Reihe. Wenden.
Reihen 3 bis 5: Reihe 2 wdh.
Faden sichern und alle restlichen Fäden vernähen.
Untere Saumkante
Runde 1: Das Garn an einer Seitennaht mit der rechten Seite nach außen ansetzen. FM gleichmäßig um die gesamte Unterkante des Boleros, dabei an den Vorderblenden durch beide Lagen arbeiten. Mit KM in die erste FM schließen.
Runden 2 und 3: 1 LM, FM in jede FM ringsherum. Mit KM schließen.
Faden sichern.
Fertigstellen
Alle Fäden sicher vernähen. Bei Baumwollgarn besonders: Fäden in mehrere Richtungen vernähen, damit sie sich mit der Zeit nicht lösen.
Spannen: Nassspannen wird für dieses Projekt sehr empfohlen. Den fertigen Bolero ca. 15 Minuten in kühlem Wasser mit etwas Wollwaschmittel oder mildem Waschmittel einweichen. Überschüssiges Wasser sanft ausdrücken (nicht wringen), in einem Handtuch rollen, um mehr Feuchtigkeit zu entfernen, dann flach auf Spannmatte oder saubere Handtücher legen. Sanft auf die Maße formen und vollständig trocknen lassen.
Spannen gleicht die Maschen aus, öffnet das Netzmuster, verbessert den Fall und gibt dem ganzen Stück ein professionelles Finish.
Anpassungsideen
- Länge: Alle drei Körperpanels gleichmäßig mehr oder weniger Reihen arbeiten. Jede Reihe ergibt ca. 1,3 cm.
- Weite: In Vielfachen von 3 Maschen an den Anschlägen zugeben oder wegnehmen – Vorderpanels und Rückenpanel proportional anpassen.
- Ärmellänge: Nach Wunsch mehr oder weniger Runden arbeiten. Für Dreiviertelärmel ca. 24 statt 36 Runden.
- Andere Garnstärken: Dieses Muster passt sich gut an. Für einen schwereren Look Worsted mit 5,0-mm-Nadel; für eine zartere Variante Fingering mit 3,0-mm-Nadel.
Pflege
Bei Baumwolle oder Baumwollmischung im Schonwaschgang mit kaltem Wasser in der Maschine waschen und liegend trocknen. Den Trockner meiden – er kann Schrumpfung verursachen und das offene Netzmuster verzerren. Ein kurzes Nachspannen nach dem Waschen hält alles schön crisp.


📌 Du liebst solche Häkelkleidung? Auf dem Blog Lust und Genuss (lustundgenuss.de) findest du viele weitere kostenlose Anleitungen – speichere dir diesen Bolero am besten gleich auf deinen Pinterest-Pinnwänden, damit du ihn jederzeit wiederfindest.