Cardigans wirken einschüchternd, oder? All die Teile, die Formgebung, die Fertigstellung. Das höre ich ständig von Häklerinnen, die bei Decken und Schals bleiben, weil Kleidung wie ein zu großer Sprung wirkt. Aber hier ist die Wahrheit: Dieser Netz-Bindecardigan ist viel zugänglicher, als er aussieht. Das offene Muster wächst schnell, die Konstruktion ist geradlinig, und die entzückenden Schleifen vorne sind nur simple Ketten zum Durchfädeln. Wenn du ein simples Gitter häkeln und ein paar Nähte nähen kannst, schaffst du diesen Cardigan absolut. Anfängerinnen mit ein paar Projekten auf dem Buckel: Der hier ist für euch. Und erfahrene Häklerinnen? Ihr fliegt an einem Wochenende durch.
Dieser salbeigrüne Netz-Bindecardigan verbindet ein klassisches offenes Muster mit moderner Silhouette. Der V-Ausschnitt schmeichelt jedem Figurtyp. Die drei zarten Schleifenverschlüsse setzen einen femininen, romantischen Akzent – ganz ohne komplizierte Knopfleisten oder Knopfloch-Berechnungen.
Das Netzmuster schafft natürliche Atmungsaktivität – perfekt zum Schichten im Frühling oder für kühle Sommerabende. Leicht genug fürs Sommerkleid, aber substanziell genug, um sich wie ein echtes, fertiges Kleidungsstück anzufühlen.

Über diese Anleitung
Schwierigkeitsgrad: fortgeschrittene Anfängerin. Nach ein paar Spültüchern, einem simplen Schal oder einer einfachen Mütze bist du bereit für dieses Projekt. Du solltest dich wohlfühlen mit Luftmaschen, Stäbchen, konsequentem Maschenzählen und einfachen Nähten.
Fertige Maße
Diese Anleitung ist für Größe M geschrieben – passt für 91 bis 96,5 cm (36 bis 38 Inches) Brustumfang mit ca. 5 cm (2 Inches) Mehrweite. Der fertige Cardigan misst flach gelegt ca. 101,5 cm (40 Inches) an der Brust (gebunden/geschlossen).
Größenanpassung: Für jede Größe auf oder ab 8 LM zur Anschlagkette zu- oder abnehmen. Je 8 LM bringen ca. 5 cm (2 Inches) Weite.
Das brauchst du
Garn: Ca. 730 bis 915 m (800 bis 1000 Yards) DK-Garn (Kategorie 3). Das Muster nutzt eine Baumwollmischung in Salbeigrün – Baumwolle oder Baumwollmischungen eignen sich wunderbar für Fall und Maschendefinition.
Nadel: 4,0 mm (US G/6), ggf. für die Maschenprobe anpassen.
Zubehör: Wollnadel zum Nähen, Schere, Maschenmarkierer (mindestens 4), Maßband.
Maschenprobe
16 M × 10 Reihen = 10 cm (4 Inches) im Netzmuster. Die Probe vor dem Start prüfen – immer.
Abkürzungen
- LM = Luftmasche
- Stb = Stäbchen
- KM = Kettmasche
- überspr. = überspringen
- M = Masche(n)
- Bog. = Bogen (Lücke im Netzmuster)
- wdh. = wiederholen
Das Netzmuster verstehen
Das Netz erzeugt ein offenes Gitter aus Quadraten. Jede „Zelle” des Gitters besteht aus einem Stäbchen, einer Luftmasche, einer übersprungenen Masche, dann einem weiteren Stäbchen. Reihe über Reihe gestapelt ergibt das das charakteristische Schachbrett aus Löchern im fertigen Cardigan.
Probelappen (wärmstens empfohlen): 22 LM anschlagen. Reihe 1: Stb in die 4. LM ab der Nadel (die übersprungenen LM zählen als erstes Stb), *1 LM, 1 LM überspr., Stb in die nächste LM*, von * bis * bis zum Ende wiederholen. (10 Netzzellen, 20 M inkl. LM als Maschen gezählt) Reihe 2: 3 LM (zählen als Stb), wenden, *Stb in den 1-LM-Bogen, 1 LM*, von * bis * bis zum Ende wiederholen, Stb oben in die Wende-LM. (10 Netzzellen, 20 M) Reihe 2 wiederholen, bis der Lappen mindestens 13 cm misst. Die Maschenprobe messen, ggf. die Nadelstärke anpassen.
Rückenteil
Das Rückenteil ist ein simples Rechteck – keine Formgebung nötig.
Anschlag: 82 LM. Reihe 1: Stb in die 4. LM ab der Nadel, *1 LM, 1 LM überspr., Stb in die nächste LM*, von * bis * bis zum Ende wiederholen. (40 Netzzellen, 80 M) Reihen 2 bis 45: 3 LM (zählen als Stb), wenden, *Stb in den 1-LM-Bogen, 1 LM*, von * bis * bis zum Ende wiederholen, Stb oben in die Wende-LM. (40 Netzzellen, 80 M)
Dein Rückenteil sollte ca. 51 cm (20 Inches) breit und 46 cm (18 Inches) hoch sein. Abketten und Fäden vernähen.
Linkes Vorderteil
Die Vorderteile enthalten die V-Ausschnittformung – keine Sorge, es ist nur eine Netzzellen-Abnahme alle paar Reihen an der Ausschnittkante.
Anschlag: 42 LM. Reihe 1: Stb in die 4. LM ab der Nadel, *1 LM, 1 LM überspr., Stb in die nächste LM*, von * bis * bis zum Ende wiederholen. (20 Netzzellen, 40 M) Reihen 2 bis 20: 3 LM, wenden, im Netzmuster weiterarbeiten. (20 Netzzellen, 40 M)
V-Ausschnittformung beginnen (Reihe 21): Reihe 21: 3 LM, wenden, im Netzmuster arbeiten, bis 2 Netzzellen übrig sind, Stb in den nächsten 1-LM-Bogen, Stb oben in die Wende-LM (die letzte 1 LM überspringen). (19 Netzzellen) Reihen 22 bis 24: Gerade im Netzmuster arbeiten. (19 Netzzellen) Reihe 25: Abnahme wie Reihe 21 wiederholen. (18 Netzzellen) Reihen 26 bis 28: Gerade arbeiten. (18 Netzzellen)
In diesem Muster fortfahren: jede 4. Reihe 1 Netzzelle an der Ausschnittkante abnehmen, bis 14 Netzzellen übrig sind. Gerade weiterarbeiten, bis das Teil ab Anschlag 46 cm (18 Inches) misst – passend zum Rückenteil. Abketten.
Rechtes Vorderteil
Wie das linke Vorderteil arbeiten, aber die Formgebung spiegeln – die Abnahmen erfolgen am Reihenanfang statt am Reihenende.
Reihen 1 bis 20: Wie beim linken Vorderteil arbeiten. Reihe 21 (Abnahmereihe): 2 LM (zählen nicht als Masche), wenden, ersten 1-LM-Bogen überspr., Stb in das nächste Stb, im Netzmuster weiterarbeiten. (19 Netzzellen) Die Formgebung des linken Vorderteils spiegelbildlich fortsetzen.
Ärmel (2× arbeiten)
Die Ärmel werden flach gearbeitet und genäht.
Anschlag: 58 LM. Reihe 1: Stb in die 4. LM ab der Nadel, *1 LM, 1 LM überspr., Stb in die nächste LM*, von * bis * bis zum Ende wiederholen. (28 Netzzellen, 56 M) Reihen 2 bis 30: Gerade im Netzmuster arbeiten. (28 Netzzellen, 56 M)
Jeder Ärmel sollte ca. 35,5 cm (14 Inches) breit und 30,5 cm (12 Inches) lang sein. Abketten.
Zusammensetzen
Schritt 1: Schulternähte. Rückenteil und ein Vorderteil rechts auf rechts legen. Mit Wollnadel und ca. 46 cm (18 Inches) Garn die Schulternähte überwendlich oder mit Matratzenstich verbinden – ca. 13 cm (5 Inches) ab jeder Außenkante. Die Mitte bleibt für den Ausschnitt offen. Mit dem zweiten Vorderteil wiederholen.
Schritt 2: Ärmel ansetzen. Die Mitte einer Ärmeloberkante finden und auf die Schulternaht setzen. Feststecken. Die Ärmelkanten an Vorder- und Rückenteil stecken – je 18 cm (7 Inches) ab der Schulternaht nach unten messen. Die Ärmelkappe überwendlich an den Körper nähen. Mit dem zweiten Ärmel wiederholen.
Schritt 3: Seiten- und Unterarmnähte. Den Cardigan so falten, dass Vorder- und Rückenteil an den Seitenkanten bündig liegen. Ab dem unteren Saum die Seitennaht hochnähen und weiter den Ärmelunterarm hinunter bis zum Bündchen. Auf der anderen Seite wiederholen.
Kante anbringen
Die solide Kante um Ausschnitt und Vorderkanten gibt dem Cardigan seinen polierten Look.
Runde 1: Das Garn an der unteren rechten Vorderecke anschlingen. FM gleichmäßig die rechte Vorderkante hoch, um den Ausschnitt und die linke Vorderkante hinunter arbeiten. Ca. 3 FM pro 2 Reihen entlang der vertikalen Kanten; je 1 FM in jede M entlang des Ausschnitts. Mit KM verbinden. Runde 2: 1 LM, FM in jede FM. Mit KM verbinden. Runden 3 bis 5: Runde 2 wiederholen. Abketten und Fäden vernähen.
Dieselbe Kante an jedem Ärmelbündchen und am unteren Saum des Körpers anbringen.
Schleifenverschlüsse
Die süßen Schleifen sind schlicht Ketten mit FM-Kante. Du arbeitest 6 Bänder insgesamt – für 3 Schleifenverschlüsse.
Pro Band: 60 LM anschlagen. FM in die 2. LM ab der Nadel und in jede LM. (59 FM) Abketten, dabei einen 15-cm-Faden lassen.
Mit der Wollnadel ein Band an der linken Vorderkante befestigen und das Partnerband direkt gegenüber an der rechten Vorderkante. Die drei Bandpaare gleichmäßig entlang der Vorderöffnung verteilen – im Muster bei ca. 7,5 cm, 20 cm und 33 cm (3, 8 und 13 Inches) ab dem unteren Saum. Jedes Paar zur schlichten Schleife binden.
Pflegehinweise
- Von Hand in kaltem Wasser mit mildem Waschmittel waschen
- Überschüssiges Wasser sanft ausdrücken (niemals auswringen)
- Flach auf einem Handtuch trocknen, dabei in Form ziehen
- Gefaltet lagern statt aufhängen, um Dehnen zu vermeiden
Tipps bei Problemen
- Mein Netz sieht ungleichmäßig aus: Meist schwankt die Spannung zwischen Stäbchen und LM. Gleichmäßigen Druck aufs Arbeitsgarn halten – Spannen hilft enorm.
- Meine Vorderteile sind unterschiedlich lang: Reihen sorgfältig zählen und häufig messen. Ein Reihenzähler hilft, wenn Zählen nicht deine Stärke ist.
- Der Ausschnitt ist zu weit/eng: Die Zahl der abgenommenen Netzzellen oder die Abnahmehäufigkeit anpassen. Mehr Abnahmen = schmalerer Ausschnitt, weniger = weiterer.
- Die Ärmel sind an der Schulter zu eng: Die Reihenzahl erhöhen, über die die Ärmelkappe am Körper befestigt wird.
Fazit
Dieser salbeigrüne Netz-Cardigan mit Schleifenverschluss ist vielseitig: über dem figurbetonten Top und High-Waist-Jeans für jeden Tag, zum Midirock mit Sandalen für den feminineren Look. Das Salbeigrün harmoniert wunderschön mit Weiß, Creme, zartem Rosa und Denim – und durch das offene Netz blitzt ein schlichtes Top in Kontrastfarbe reizvoll hindurch. Ein Projekt, das sich beim Machen besonders anfühlt und fertig absolut wunderschön aussieht.

📌 Du liebst solche Häkelpullover? Auf dem Blog Lust und Genuss (lustundgenuss.de) findest du viele weitere kostenlose Anleitungen – speichere dir diesen Cardigan am besten gleich auf deinen Pinterest-Pinnwänden, damit du ihn jederzeit wiederfindest.